St. Georg 3/2022: Longieren bei Körungen

Überall, wo Longieren zum Körprozedere dazugehört, das gleiche Bild: Man sieht Jungpferde, die sich gegen zu kurz verschnallte Ausbinder wehren, die versuchen, sich dem Druck im Maul zu entziehen und die gleichzeitig animiert werden, schneller zu traben bzw. anzugaloppieren. Sich auszubalancieren ist den meisten nicht möglich. Zumal die wenigsten die ca. 18, eher 16 Meter Durchmesser des Longierzirkels ausnutzen. Im Trab gelingt es einigen noch, ihr Gleichgewicht zu finden. Aber wer hier im Handgalopp zwei Runden schafft, ist die Ausnahme. Aussteller berichten, ihnen seien im Vorfeld Anweisungen gegeben zugegangen, wie man sich die Vorstellung der Pferde an der Longe wünscht. Von Nase vor der Senkrechten und Dehnungshaltung sind am Tag X aber 95 Prozent weit entfernt.

Es ist eine normale Reaktion junger Pferde, durch Außenstellung zu versuchen, die Fliehkraft zu kompensieren. Sie sind noch nicht geradegerichtet und haben noch nicht die Muskulatur, um in Stellung und Biegung eine gebogene Linie zu gehen. Indem sie den Hals nach außen führen, können sie aber Takt und Tempo halten. Bzw. sie könnten es, wenn die zu kurzen Ausbinder sie nicht daran hindern würden. Hinzu kommt, dass sie völlig über Tempo longiert werden. DAs bringt sie zusätzlich aus dem Gleichgewischt und überlastet zudem den Bewegungsapparat. Die Körkommission in München sieht das Problem. Immer wieder kommt eine Ansage: „Nummer xy, rechter/linker Ausbinder länger!“ etc.

Es hilft nur bedingt. Man fragt sich: Was soll das eigentlich? Kann man so nicht erkennen, ob die Hengste von sich aus den Weg in die Tiefe suchen und ein natürliches Gleichgewicht haben? Und unabhängig davon, bekommen sie so bereits an der Longe Angst vor dem Gebiss. Kurz: Mensch gewinnt nicht, Pferd verliert alles. Es ist logisch, dass die Hengste in der Atmosphäre der Halle weniger losgelassen sind, als draußen bei der Vorbereitung.

Man könnte ihnen wahrscheinlich schon helfen, indem man die Longierzirkel mit einigen Metern Abstand zum Zuschauerbereich aufbaut. Vor allem muss aber die Erwartungshaltung aller Beteiligten eine andere sein. Von einem jungen Pferd zu verlangen, sich wie ein bereits ausgebildetes in korrekter Stellung und Biegung auf einer Zirkellinie zu bewegen, ist unfair. Sie müssen lang genug ausgebunden sein, dass sie eine Chance haben, ihr natürliches Gleichgewicht zu finden und dafür den Hals lang machen zu können. Das ist viel verlangt, wenn dreijährige Hengste sich auf der großen Bühne darstellen sollen und auch noch das Adrenalin dazukommt. Da werden einige Hengste eher den Weg nach oben als nach unten suchen. Das wiederum wollen weder Ausbilder noch Aussteller bei ihren Hengsten sehen. Aber nur dann wäre es pferdegerecht und auch aufschlussreich. Wenn man das nicht will, sollte man den Zirkus ganz abschaffen. Denn nichts anderes ist das Longieren bei Körungen derzeit und zwar auf Kosten der Gesundheit.

Liebe Xenophon-Mitglieder,
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Das Ausmaß der Zerstörung und das Leid hat uns tief getroffen. Wir sind in Gedanken bei allen betroffenen (Pferde-)Menschen – sei es in der Ukraine oder auf der Flucht.

Viele Hilfsaktionen sind bereits angelaufen und auch wir wollen unseren Beitrag leisten. Konkret wollen wir Menschen helfen, die hier bei uns untergekommen sind. Hierfür suchen wir (Ihre) Ideen, wie wir gemeinsam diesen Menschen helfen können, ihre Erlebnisse zu verarbeiten bzw. etwas erträglicher zu machen.

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