St. Georg 06/2018: Wie klassisch ist das Deutsche Dressur-Derby?

Reitmeister Klaus Balkenhol kennt das Deutsche Dressur-Derby in Hamburg sowohl als Teilnehmer – damals noch mit Polizeipferd Rabauke gegen Reiter wie Herbert Rehbein und George Theodorescu – als auch als Trainer seiner Tochter Anabel. Er sagt: „In meinen Augen hat das Derby nicht direkt einen klassischen Wert. Aber man kann dort wohl Erkenntnisse darüber gewinnen, wie korrekt Pferde ausgebildet worden sind.“ Es sei beispielsweise aber auch schon vorgekommen, dass Pferde unter dem Fremdreiter besser gingen als unter dem eigenen Reiter. „Da hat dann der Stammreiter Grund zum Nachdenken.“ Den umgekehrten Fall gibt es natürlich auch: „Manche Pferde tun einem aber auch einfach nur leid. Das hat dann wirklich keinen klassischen Wert.“

„Gute Reiter machen das Pferd nicht kaputt!“

Klaus Balkenhol weist auch darauf hin, dass es für die Pferde eine große Anstrengung bedeutet, erst mit dem eigenen Reiter gehen zu müssen und dann noch mit den Fremdreitern. Darum war er maßgeblich an der Entwicklung verkürzter Stechaufgaben für den Pferdewechsel beteiligt. Dass es Reiter gibt, die Bedenken haben, ihre besten Pferde zur Verfügung zu stellen, kann er nachvollziehen. Er hat es schon erlebt, dass die Pferde sich erst einmal regelrecht erholen mussten, wenn sie von einem Reiter vorgestellt wurden, der wenig sensibel zu Werke ging. Klar ist aber auch: „Gute Reiter machen das Pferd nicht kaputt!“ Er war seinerzeit auch neugierig, wie die großen Meister Rehbein, Theodorescu & Co. mit seinem Rabauke klarkommen würden, der schon mal die Zunge herausstreckte, wenn ein Reiter zu grob war. „Bei George Theodorescu war die Zunge nicht im Ansatz zu sehen. Man kann schon sagen, dass die besten Reiter hier auch am Ende vorne sind.“

So, wie 2003 auch Dolf-Dietram Keller, der mit Vererberlegende De Niro v. Donnerhall damals auch das beste Pferd stellte. Und auch Dolf Keller kennt das Derby aus Trainersicht. 2011 tat seine Tochter Kathleen es ihm gleich und holte das blaue Band. Keller vergleicht das Derby mit dem Berufsreiterchampionat, das ja ebenfalls im Pferdewechsel entschieden wird. „Hier werden nicht nur an das Pferd ganz hohe Anforderungen gestellt, sondern auch an den Reiter.“ Allerdings stellt auch er den klassischen Wert des Derbys eher infrage: „Die Ausbildung ist nur ein Faktor von vielen. Bei einer solchen Anstrengung spielt zum Beispiel auch das Wetter eine große Rolle. Oder war für ein Typ mein Pferd ist. Ein blutgeprägtes Pferd steckt die Anstrengung besser weg als ein reiner Warmblüter.“ Für ihn ist es auch nicht nachvollziehbar, dass manche Reiter befürchten, eine schlechte Figur zu machen, wenn ein Reiter mit ihrem Pferd besser oder auch gar nicht klarkommt. „Ich kann doch nur gewinnen. Wenn es gut läuft, ist das meiner guten Ausbildung zu verdanken. Und wenn es nicht klappt, muss eben besser geritten werden.“

In einem Punkt sind Balkenhol und Keller sich übrigens absolut einig: „Das Derby ist ein Zuschauermagnet und darum eine Bereicherung für den Sport.“

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