Reiten lernen – aber richtig!

Egal in welcher Disziplin, ganz gleich auf welchem Niveau – wir wünschen uns Pferdesport, der sich durch gutes Reiten und fairen Umgang mit dem Partner Pferd auszeichnet. Die Grundlage dafür wird mit der ersten Begegnung mit dem Pferd gelegt. Das Tier übt oft schon auf die Allerkleinsten eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Aber was tun, wenn die vierjährige Tochter anfangen möchte zu reiten, aber ihre Beinchen noch gar nicht über das Sattelblatt hinausragen? In Reiterfamilien ist das meist kein Problem. Da wachsen die Ponys gewissermaßen mit den Kindern. Aber dieses Glück haben die wenigsten. Für die Mehrheit gibt es eine andere wunderbare Lösung: Voltigierunterricht für Kinder.

Beim Voltigieren gibt der Gurt den Kindern Halt auf dem Pferderücken, den sie mit ihren kurzen Beinchen noch nicht haben können. Vor allem aber lernen die Kids dabei den respektvollen Umgang mit dem Pferd (darauf achten, dass die Voltigiergruppen beim Putzen und Vorbereiten des Pferdes helfen!), ihre soziale Kompetenz in der Gruppe wird gefördert und last but not least bekommen sie ganz spielerisch ein Gefühl für die Bewegungen des Pferds und schulen ihren Gleichgewichtssinn.

Durchsetzungsfähigkeit führt zu Vertrauen zwischen Pferd und Reiter

Und wie geht es dann weiter? Nachdem die Kinder beim Voltigieren bereits gelernt haben, sich den Bewegungen des Pferdes anzupassen und sich auszubalancieren, fällt ihnen das Erlernen des richtigen Sitzes im Sattel meist viel leichter und sie erlangen schneller einen handunabhängigen Sitz. Das Lernen hört beim Reiten bekanntlich nie auf. Aber es gibt schon einige Faktoren, die es beschleunigen. Dazu gehört auch eine vielseitige Ausbildung. Nicht umsonst fordern die Reitabzeichen eigentlich das Absolvieren sowohl einer Dressur-, als eben auch einer Springprüfung. Sowohl in Hinblick auf die Entwicklung des Sitzes als auch der psychologischen Durchsetzungsfähigkeit ist das Springen eigentlich ein unverzichtbarer Teil der reiterlichen Ausbildung. Wer gelernt hat, einem ängstlichen Pferd durch ein beherztes passendes Anreiten im leichten Sitz Vertrauen einzuflößen und es immerhin über kleine Hindernisse springen zu lassen, der wird auch ein guckiges Pferd im Viereck am Richtertisch vorbei bekommen. Das hat nichts mit Gewalteinwirkung zu tun, sondern mit Durchsetzungsfähigkeit und dem daraus resultierenden Vertrauen, wenn das Pferd merkt, ihm passiert nichts Schlimmes.

Explizit angemerkt sei an dieser Stelle jedoch, dass es für jeden Reiter, ganz gleich, welches Niveau er erreicht hat, immer wieder sinnvoll ist, sich an die Lounge nehmen zu lassen und an seinem Sitz zu feilen. Der Grand Prix-Ausbilder und ehemalige Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule, Johann Riegler, hat hierzu einen ausführlichen Bericht in der St. Georg 10/2016 geliefert.