Warum Bewegungsfreiheit im Sattel so wichtig ist

Voraussetzung für ein losgelassenes Pferd ist ein losgelassener, geschmeidiger Sitz des Reiters. Wichtig dafür ist unter anderem der richtige Sattel – und der sollte nicht nur dem Pferd, sondern auch dem Menschen passen.

Das Pferd kann sich unter dem Reiter nur losgelassen und mit schwingendem Rücken bewegen, wenn die Last auf seinem Rücken in der Lage ist, sich diesen Bewegungen ebenso losgelassen und elastisch anzupassen. Voraussetzung dafür ist ein genügend großer Sattel, in dem der Reiter die Möglichkeit hat, sich selbst auszubalancieren und seinen Schwerpunkt je nach Situation immer neu anzupassen, erklärt Susanne Ridderbusch, die Vorsitzende von Xenophon e.V. und Ausbilderin von Reitern und Pferden bis zur Klasse S. Sie sagt: „In einem Sattel, der mir durch tiefen Schwerpunkt und womöglich noch eine extrem dicke Pausche meine Sitzposition vorgibt, kann ich nicht mehr mitschwingen bzw. mich nicht bewegen. Meine Hüfte ist blockiert. Das Bein liegt dann zwar lang am Pferd, aber der Absatz kann nicht mehr nach unten federn und ich kann nur umständlich meine Schenkellage verändern. Der gesamte Bewegungsfluss ist unterbrochen bzw. kommt gar nicht erst zustande. Der Oberkörper wird fest und damit auch Arme und Hände.“ Das wirkt sich zwangsläufig auch auf die Bewegungen des Pferdes aus. Denn ein Sitz, der zwar gestreckt ist, ist nicht zwangsläufig auch ein effektiver Sitz.

Die Sicht des Sattlers
Wir haben uns über dieses Thema auch mit Dirk Kannemeier von der Firma Passier in Hannover-Langenhagen unterhalten. Passier ist Mitglied bei Xenophon gehört seit 1867 zu den führenden Herstellern von Lederwaren für den Reitsport, insbesondere Sätteln. Kannemeier bestätigt, dass der Sattel dem Reiter genügend Platz bieten muss, um sich auszubalancieren und seinen Schwerpunkt zu finden. Er erklärt weiter: „Der sogenannte tiefe Sitz ist eigentlich eine Erfindung des Fachhandels. Sättel, die dieses Versprechen, haben einen sehr hohen Sattelkranz, der dem Gesäß Unterstützung bietet, die Hüfte aufrichtet und das Bein gerader nach unten fallen lässt. Optisch und gefühlt sitzt man so tiefer im Pferd. Tatsächlich sind die Sitzhöcker aber genauso weit vom Pferd entfernt wie bei einem Flachsitzer.“

Das klingt ja erst einmal gut, denn man möchte ja gerne das Gefühl haben, tief im Pferd zu sitzen. Aber es gibt auch Nachteile: „Je höher der Sattelkranz, desto eingeschränkter bin ich im Sattel. Aber der Reiter muss sich selbst im Sattel bewegen können und nicht bewegt werden!“ Sonst – siehe oben!

Kannemeier erklärt, die Nachfrage nach Dressursätteln mit tiefem Sitz sei ungebremst. Die Modelle der 1970er- und 1980er Jahre könne man heute gar nicht mehr verkaufen. Wer nicht auf das Gefühl der Sicherheit, das einem der hohe Sattelkranz ja auch vermittelt, verzichten möchte, sollte bei der Wahl seines neuen Sattels ein paar Dinge beachten: „Ein Dressursattel mit tiefem Sitz sollte mindestens einen halben Zoll größer sein, als der Reiter eigentlich bräuchte!“ Denn so sei ein Minimum an Bewegungsfreiheit im Sattel gewährleistet. Vor allen Dingen aber muss ein Sattel mit tiefem Sitz perfekt liegen auf dem Pferderücken: „Diese Sättel haben ihren Schwerpunkt genau in der Mitte und fixieren den Reiter an dieser Stelle. Passt der Sattel nicht richtig, führt das zum einen zu gesundheitlichen Problemen beim Pferd und zum anderen zu Sitzfehlern des Reiters.“ Die Sattelanpassung sei früher bedeutend einfacher gewesen, gibt Kannemeier zu. „Damals lag der Schwerpunkt im mittleren Drittel und die Sitzfläche gab dem Reiter die Möglichkeit, den Schwerpunkt zu verlagern.“ Deshalb war es damals auch gar kein Problem, einen Sattel für mehrere Pferde zu benutzen. Das ist heute anders. Zumal die modernen Sportpferde zunehmend im Quadratformat stehen und die Sättel einerseits nicht zu lang sein dürfen (Kannemeier: „Die Auflagefläche darf nur bis zur 18. Rippe reichen!“), andererseits aber auch dem Reitergesäß genügend Platz bieten müssen. Ist das nicht der Fall, sitzt der Reiter zu weit hinten und schiebt auf diese Weise den Sattel auf die Schulter des Pferdes.

Fazit: Wenn schon ein Sattel mit tiefem Sitz, dann wenigstens einer, der perfekt auf dem Pferd liegt und dem Reiter ein Minimum an Bewegungsfreiheit lässt. Und auf überdimensionierte Pauschen verzichtet man lieber ganz – außerdem: Wer losgelassen, geschmeidig und handunabhängig sitzen kann, der braucht diese ohnehin nicht!

Liebe Xenophon-Mitglieder,
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auch wir sind erschüttert über das Kriegsgeschehen in der Ukraine.

Das Ausmaß der Zerstörung und das Leid hat uns tief getroffen. Wir sind in Gedanken bei allen betroffenen (Pferde-)Menschen – sei es in der Ukraine oder auf der Flucht.

Viele Hilfsaktionen sind bereits angelaufen und auch wir wollen unseren Beitrag leisten. Konkret wollen wir Menschen helfen, die hier bei uns untergekommen sind. Hierfür suchen wir (Ihre) Ideen, wie wir gemeinsam diesen Menschen helfen können, ihre Erlebnisse zu verarbeiten bzw. etwas erträglicher zu machen.

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