Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 22. April im AZL Luhmühlen zusammen, um einer zentralen Frage des Pferdesports nachzugehen: „Was will uns das Pferd sagen?“ Im Mittelpunkt stand dabei die pferdegerechte Ausbildung – und die Frage, wie Reiterinnen und Reiter ihre Pferde besser verstehen und fairer ausbilden können.
Ausdrucksverhalten verstehen – Pferde sprechen mit uns
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Kathrin Kienapfel, die anschaulich und praxisnah das Ausdrucksverhalten des Pferdes erläuterte. Verständlich und lebendig zeigte sie, wie Pferde kommunizieren, Stress ausdrücken und auf ihre Umwelt reagieren. Schnell wurde deutlich: Wer Pferde besser lesen kann, reitet nicht nur erfolgreicher, sondern vor allem pferdegerechter.
„Wer zieht, verliert“ – Reitmeister Martin Plewa in der Praxis
Im Anschluss demonstrierte Reitmeister Martin Plewa eindrucksvoll, wie gute Ausbildung aus Sicht des Pferdes funktioniert – und welche Folgen fehlerhaftes Reiten haben kann.
Ein Satz blieb vielen besonders im Gedächtnis: „Wer zieht, verliert.“
In den praktischen Demonstrationen zeigte sich immer wieder, wie sensibel Pferde auf die Hilfengebung reagieren. Zu viel Einwirkung führt häufig zu Widerstand, zu wenig Unterstützung kann verunsichern. Die Lösung lag oft überraschend nahe: „Hand weg.“
Besonders im Springen wurde sichtbar, wie losgelassene Zügel den Pferden mehr Eigenständigkeit ermöglichen und zu harmonischeren, besseren Sprüngen führen. Auch in der Dressur zeigte sich deutlich: Viele vermeintliche „Probleme“ entstehen nicht beim Pferd, sondern durch Missverständnisse in der Hilfengebung des Reiters. Mit feineren Hilfen, mehr Losgelassenheit und Vertrauen verbesserten sich Bewegungsfluss und Anlehnung sichtbar.
Reitlehre in der Praxis erleben
Wie sensibel Pferde auf die Hilfengebung reagieren und welche Wirkung feines Reiten hat, wurde in den praktischen Demonstrationen eindrucksvoll sichtbar.
Praxisdemonstration mit Reitmeister Martin Plewa im AZL Luhmühlen
Anlehnung darf nicht erzwungen werden
Ein zentrales Thema des Tages war die richtige Anlehnung. Das Fazit der Experten war eindeutig: Das Pferd sucht die Anlehnung – der Reiter darf sie nur zulassen, nicht erzwingen.
Auch Karin Lührs, stellvertretende Vorsitzende von Xenophon, brachte dies klar auf den Punkt: „Hals runter“ ist nicht gleich „über den Rücken reiten“. Wird der Hals durch die Reiterhand eng und tief eingestellt, fehlt dem Pferd häufig die Balance – echte Anlehnung kann so nicht entstehen.
Eine korrekte Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul ist weich, dynamisch und entsteht aus Vertrauen und feiner Kommunikation – nicht aus Zug. Die Realität in vielen Reitsportbereichen zeigt jedoch häufig enge Hälse, offene Mäuler und sichtbare Unzufriedenheit der Pferde – Entwicklungen, die kritisch hinterfragt werden müssen.
Mehr Wissen für mehr Pferdewohl
Die Veranstaltung machte deutlich: Gute Reitlehre ist aktueller denn je. Mehr Wissen über Biomechanik, Verhalten und pferdegerechte Ausbildung ist entscheidend – nicht nur für Reiterinnen und Reiter, sondern ebenso für Ausbilder und Richter.
Für mehr Pferdewohl und eine Reiterei, die wieder überzeugt.