St.Georg 11/2019: Chancengleichheit herstellen!

Deutschlands Turnierreiterei hat ein Problem mit der „Sozialschere“. Untersuchungen der FN haben gezeigt: Es gibt immer mehr Reiter in den Einsteigerprüfungen, also auf E-Niveau, und in der Klasse S. Aber alles, was dazwischen ist und was früher das Gros der Turnierreiter ausgemacht hat, wird immer weniger. Über die Ursachen kann man spekulieren. Sicherlich spielt der demografische Wandel eine Rolle, der dann immer wieder herangezogen wird. Auch richtig: G8 fordert von den Jugendlichen, die sonst ihre Nachmittage im Stall verbracht haben, volle Aufmerksamkeit für ihre Schulkarriere. Aber das allein erklärt nicht alles. Fährt man auf ein ländliches Turnier, wird man feststellen, dass das „Pferdematerial“ auf den vorderen Rängen schon in den Klassen A und L überragend ist. Mit dem klassischen Allrounder, der seine Reiter durch L-Dressuren, L-Springen und vielleicht auch Geländeprüfungen getragen hat, hat man heutzutage kaum noch eine Chance, eine Schleife abzubekommen. Sicher, Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber das Gros der Pferde, die in den Platzierungen vorne stehen, stellen einen Wert im mittleren bis höheren fünfstelligen Bereich dar. Das ist in vielerlei Hinsicht ein Problem. Das offenkundige: Es kann sich niemand mehr leisten. Die Folge: Reiter mit von Hause aus weniger begabten Pferden, gehen leer aus, sind zunehmend frustriert und hängen die Turnierreiterei irgendwann an den Nagel.

Das allgemeine reiterliche Niveau sinkt

Eine weitere Entwicklung, die damit zusammenhängt: Die Richter belohnen nicht mehr das am besten gerittene, sondern das talentierteste Pferd. Was bedeutet, dass nicht der beste Reiter gewinnt, sondern der mit dem dicksten Portemonnaie. Das allgemeine reiterliche Niveau sinkt. Sicher, auch der Reiter mit vierbeinigem Supertalent muss eine Aufgabe erst einmal zu Ende reiten und einen Parcours erst einmal zu Ende springen. Aber dem ausdrucksstarken Pferd wird man Lektionsfehler eher verzeihen als dem umfunktionierten Springpferd. Und ein hoch talentiertes Springpferd kann in den Klassen A und L Reiterfehler problemlos durch sein Vermögen wett machen. Da können Reiter mit weniger solventem Hintergrund sich noch so anstrengen, dagegen werden sie nicht ankommen. Da muss man schon sehr zäh sein und ganz viel Glück haben, um auch als Otto-Normalverdiener bei der Stange zu bleiben und eines Tages vielleicht ein gutes Pferd zur Verfügung gestellt zu bekommen. So wird die reiterliche Qualität in den unteren Klassen immer schlechter, während sich in den oberen Klassen fast nur noch Profis und Halbprofis tummeln. Das ist ein Problem!

Man kann gute Pferde nicht günstiger machen. Züchten lohnt sich ohnehin schon kaum noch. Denn auch im Pferdehandelt klafft die Schere immer weiter auseinander – Überflieger versus Normalos. Die einen kosten horrende Summen, die anderen (und die sind in der Mehrheit) bringen – obwohl sorgsam aufgezogen und ausgebildet – mit Glück gerade mal die Aufzuchtkosten wieder rein. Das demotiviert die Züchter ebenso wie die Reiter, die keine Schleife abbekommen.

Was ist die Lösung? Es geht darum, die Mitte wieder mehr zu stärken. Am demografischen Wandel kann das System Pferdesport wenig ändern. Wohl aber an der Sache mit der Chancengleichheit. Gutes Reiten muss sich wieder lohnen! Die Richter müssen Sitz und Einwirkung über Schwung und Mechanik stellen. Und die Reiter müssen selbstkritischer werden und bereit sein, für guten Unterricht gutes Geld zu bezahlen! Auch die Ausbilder müssen von etwas leben. Und wer sein Geld in eine fundierte klassische Ausbildung investiert, spart am Tierarzt.

Liebe Xenophon-Mitglieder,
liebe Freunde von Xenophon,

der Corona-Virus wirkt sich auch auf die Aktivitäten von Xenophon aus. Unser Vorstand hat in einem Brief Stellung genommen

Ihr Xenophon-Team